|
Humor, Weisheiten und mehr
Gleichgewicht
Eugen Roth
Was bringt den Doktor um sein Brot?
a) die Gesundheit, b) der Tod.
Drum hält der Arzt, auf daß er lebe,
Uns zwischen beiden in der Schwebe.
|
Einsicht
Eugen Roth
Der Kranke traut nur widerwillig
Dem Arzt, der's schmerzlos macht und billig.
Laßt nie den alten Grundsatz rosten:
Es muß a) wehtun, b) was kosten.
|
Undank
Eugen Roth
Ein guter Arzt weiß gleich oft, wo.
Statt daß man dankbar wär und froh,
Ist man so ungerecht und sagt:
"Der hat sich auch nicht arg geplagt!"
Ein andrer tappt ein Jahr daneben -
Mild heißt's: "Müh hat er sich gegeben!" |
Ausweg
Eugen Roth
Wer krank ist, wird zur Not sich fassen.
Gilt's, dies und das zu unterlassen.
Doch meistens zeigt er sich immun,
Heißt es, dagegen was zu tun.
Er wählt den Weg meist, den bequemen,
Was ein- statt was zu unternehmen! |
Die unmögliche Tatsache
Christian Morgenstern
Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.
"Wie war" (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
"möglich, wie dies Unglück, ja -:
dass es überhaupt geschah?
Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?
Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, - kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht -?"
Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!
Und er kommt zu dem Ergebnis:
"Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil", so schließt er messerscharf,
"nicht sein kann, was nicht sein darf
Mensch - Unmensch
Eugen Roth
Wer tiefer nachdenkt, der erkennt:
Mensch sein ist schon fast Patient.
Doch sind wohl aus dem selben Grund
Unmenschen durchweg kerngesund.
Tagebuch eines Herzkranken
Erich Kästner
Der erste Doktor sagte:
"Ihr Herz ist nach links erweitert."
Der zweite Doktor klagte:
"Ihr Herz ist nach rechts verbreitert".
Der dritte machte ein ernstes Gesicht
und sprach: "Herzerweiterung haben Sie nicht."
Na ja.
Der vierte Doktor klagte:
"Die Herzklappen sind auf dem Hund."
Der fünfte Doktor sagte:
"Die Klappen sind völlig gesund."
Der sechste machte die Augen groß
und sprach: "Sie leiden an Herzspitzenstoß."
Na ja.
Der siebente Doktor klagte:
"Die Herzkonfiguration ist mitral."
Der achte Doktor sagte:
"Ihr Röntgenbild ist durchaus normal."
Der neunte Doktor staunte und sprach:
"Ihr Herz geht dreiviertel Stunden nach."
Na ja.
Was nun der zehnte Doktor spricht,
das kann ich leider nicht sagen,
denn bei dem zehnten, da war ich noch nicht.
Ich werde ihn nächstens fragen.
Neun Diagnosen sind vielleicht schlecht,
aber die zehnte hat sicher recht.
Na ja.
Lebensleiter
Eugen Roth
Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not,
Vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.
Vom Brot zur Wurst geht's dann schon besser;
Der Mensch entwickelt sich zum Fresser
Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer;
Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.
Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:
Vom Hummer aus geht's nicht mehr weiter.
Beim Brot, so meint er, war das Glück. -
Doch findet er nicht mehr zurück.
Immanuel Kant: Büchergelehrsamkeit
vermehrt zwar die Kenntnisse, aber erweitert nicht den Begriff und die Einsicht,
wenn nicht Vernunft hinzu kommt.
Johann Wolfgang von Goethe: Alles
Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu
denken.
Arthur Schopenhauer: Um durch die Welt
zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht
mitzunehmen: Durch erstere wird man vor Schaden und Verlust, durch letztere vor
Streit und Händeln geschützt.
Ermunterung
Eugen Roth
Scheint auch Dein Zustand
aussichtslos,
Halt durch! - und wärs für Tage bloß!
Nur Mut! Die Rettung ist schon nah -
Sie kommt bestimmt aus USA.
Wo, wie man liest, beinahe stündlich,
die Heilkunst umgewälzt wird, gründlich.
Und wäre auch Dein Fall der schwerste,
bist Du vielleicht der allererste.
Den, durch die Luft herbeigeeilt,
von drüben ein Professor heilt!
Johann Wolfgang von Goethe: Wenn man
in der Jugend nicht tolle Streiche machte und mitunter einen Buckel voll
Schläge mit wegnähme, was wollte man denn im Alter für Betrachtungsstoff
haben?
Hildegard von Bingen: Du hast Augen im Kopf,
damit du dich nach allen Seiten umschauen kannst. Entdeckst du irgendwo Schmutz,
so wasche ihn ab. Siehst du etwas vertrocknen, so lass es wieder grün werden.
Hättest du keine Augen, wäre dein Verhalten zu entschuldigen. Aber du hast ja
welche. Warum schaust du dich mit ihnen nicht um?
Manager
Eugen Roth
Ein Mensch wird alle Tage kränker:
Nur noch Betriebs- und Wagenlenker,
Lebt er dahin, teils seelenhastig,
Teils leibträg, ohne Heilgymnastik.
Was hat er Eiliges zu erledigen!
Vergebens Frau und Freunde predigen,
Dass er auf Gesundheit seh
Und, wenn schon nicht in Urlaub geh,
Ein bisschen laufe, schwimme, turne -
Zu spät: der Rest kommt in die Urne;
Der Schlag, just vor der Unterschrift
Des letzten Briefs den Menschen trifft.
Die Sekretärin, noch hienieden,
Schreibt darunter: Nach Diktat verschieden.
Christian Morgenstern: Nur der Erkennende lebt.
Aristoteles: Was die Klugheit sei, werden wir am
besten erfassen, wenn wir uns danach umsehen, welche Leute wir klug nennen. Das
Kennzeichen des klugen Mannes scheint nun die Fähigkeit zu sein, hinsichtlich
dessen, was ihm gut und zuträglich ist, richtig zu überlegen, und zwar nicht
in Einzelheiten, z.B. was seiner Gesundheit und Kräftigung förderlich sei,
sondern was grundsätzlich zu einem guten und glücklichen Leben diene. Beweis
dafür ist, dass wir auch Leute klug nennen, die es in einem einzelnen Falle
sind, wenn sie im Blick auf einen Zweck eine richtige Überlegung treffen bei
Dingen, die nicht Sache der Kunstfertigkeit sind. So wäre denn im allgemeinen
klug, wer richtig zu überlegen weiß.
Verhinderter Wohltäter
Eugen Roth
Ein Mensch im Rundfunk eben hört:
"Sturmflut hat eine Stadt zerstört!"
Schon greift sein Mitleid zum Entschluss,
Dass hier geholfen werden muss.
Doch wie? Die Welt hilft ohnehin
weit mehr als nötig ohne ihn.
Der selbe Mensch hört wenig später,
Ein Werk der Nächstenliebe tät er,
Gäb er ein Scherflein einem Mann,
So arm, dass er kaum leben kann.
Er ist auch diesmal sehr gerührt
Und fast zur guten Tat verführt.
Doch wie? Sollt er sein Geld verzetteln,
An Schnorrer, die die Welt bebetteln? -
Der Mensch wär gut - das Unglück bloß
War hier zu klein, war dort zu groß.
Das Herz im Spiegel
Erich Kästner
Der Arzt notierte eine Zahl.
Er war ein gründlicher Mann.
Dann sprach er: "Ich durchleuchte Sie mal",
und schleppte mich nebenan.
Hier wurde ich zwischen kaltem Metall
zum Foltern aufgestellt.
Der Raum war finster wie ein Stall
und außerhalb der Welt.
Dann knisterte das Röntgenlicht.
Der Leuchtschirm wurde hell.
Und der Doktor sah mit ernstem Gesicht
mir quer durchs Rippenfell.
Der Leuchtschirm war seine Staffelei.
Ich stand vor Ergriffenheit stramm.
Er zeichnete eifrig und sagte, das sei
mein Orthodiagramm.
Dann brachte er ganz feierlich
einen Spiegel und zeigte mir den
und sprach: "In dem Spiegel können Sie sich
Ihr Wurzelwerk ansehen."
Ich sah, wobei er mir alles beschrieb,
meine Anatomie bei Gebrauch.
Ich sah mein Zwerchfell im Betrieb
und die atmenden Rippen auch.
Und zwischen den Rippen schlug sonderbar
ein schattenhaftes Gewächs.
Das war mein Herz! Es glich aufs Haar
einem zuckenden Tintenklecks.
Ich muss gestehn, ich war verstört,
Ich stand zu Stein erstarrt.
Das war mein Herz, das dir gehört,
geliebte Hildegard?
Lass uns vergessen, was geschah,
und mich ins Kloster gehn.
Wer nie sein Herz im Spiegel sah,
der kann das nicht verstehn.
Kind, das Vernünftigste wird sein,
dass du mich rasch vergisst.
Weil so ein Herz wie meines kein
Geschenkartikel ist.
Keine Furcht vor dem Tode
aus ZA-ZEN - Die Praxis des Zen
Ein junger Mönch ging in die Stadt mit dem
Auftrag, einen wichtigen Brief eigenhändig dem Empfänger zu übergeben. Er kam
an die Stadtgrenze und musste eine Brücke überqueren, um hineinzugelangen. Auf
dieser hielt sich ein im Schwertkampf erfahrener Samurai auf, der, um seine
Stärke und Unüberwindbarkeit zu beweisen, geschworen hatte, die ersten hundert
Männer, die die Brücke überquerten, zum Zweikampf herauszufordern. Er hatte
schon neunundneunzig getötet.
Der kleine Mönch flehte ihn an, er möge ihn durchlassen, weil der Brief, den
er bei sich trug, von großer Wichtigkeit war: "Ich verspreche Euch
wiederzukommen um mit Euch zu kämpfen, wenn ich meinen Auftrag erfüllt
habe." Der Samurai willigte ein, und der junge Mönch ging seinen Brief
überbringen.
In der Gewissheit, verloren zu sein, suchte er, bevor er zurückkehrte, seinen
Meister auf, um sich von ihm zu verabschieden.
"Ich muss mit einem großen Samurai kämpfen", sagte er, "er ist
ein Schwertmeister, und ich habe in meinem Leben noch keine Waffe angerührt. Er
wird mich töten..."
"In der Tat wirst du sterben", antwortete ihm der Meister, "denn
es gibt für dich keine Siegeschance. Also brauchst du auch keine Angst vor dem
Tode zu haben. Doch ich werde dich die beste Art zu sterben lehren: Du hebst
dein Schwert über den Kopf, die Augen geschlossen, und wartest. Wenn du auf dem
Scheitel etwas kaltes spürst, so ist das der Tod. Erst in diesem Moment lässt
du die Arme fallen. Das ist alles..."
Der kleine Mönch verneigte sich vor seinem Meister und begab sich zu der
Brücke, wo ihn der Samurai erwartete. Dieser dankte ihm dafür, dass er Wort
gehalten hatte und bat ihn, sich zum Kampf bereitzumachen.
Das Duell begann. Der Mönch tat, was ihm der Meister empfohlen hatte. Er nahm
sein Schwert in beide Hände, hob es über den Kopf und wartete, ohne sich zu
bewegen. Diese Stellung überrasche den Samurai, da die Haltung des Gegners
weder Angst noch Furcht wiederspiegelte.
Misstrauisch geworden, näherte er sich vorsichtig. Der kleine Mönch war
völlig ruhig, allein auf seinen Scheitel konzentriert.
Der Samurai sprach zu sich: "Dieser Mann ist sicher sehr stark, er hat den
Mut zurückzukehren, um mit mir zu kämpfen, das ist bestimmt kein
Amateur."
Der Mönch, noch immer vertieft, kümmerte sich überhaupt nicht um das Hin- und
Herlaufen seines Gegners. Und der bekam langsam Angst:
"Das ist ohne Zweifel ein ganz großer Krieger", dachte er, "denn
nur die großen Meister der Schwertkunst nehmen von Anfang an eine
Angriffsstellung ein. Und dieser schließt sogar noch die Augen!"
Der junge Mönch wartete immer noch auf den Moment, in dem er die besagte Kälte
auf dem Scheitel spüren würde.
Währenddessen war der Samurai völlig ratlos, er wagte nicht mehr anzugreifen,
in der Gewissheit, bei der geringsten Bewegung seinerseits zweigeteilt zu
werden. Der Mönch wiederum hatte den Samurai völlig vergessen, aufmerksam
darauf bedacht, die Ratschläge seines Meisters gut auszuführen und würdig zu
sterben. Doch er wurde wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt durch das Weinen
und Klagen des Samurai:
"Tötet mich bitte nicht, habt Mitleid mit mir, ich dachte, der König der
Schwertkunst zu sein, aber ich habe noch nie einen Meister wie Euch getroffen!
Bitte, bitte nehmt mich doch als Euren Schüler an, lehrt mich den wahren WEG
der Schwertkunst..."
Der geheilte Patient
Johann Peter Hebel
Reiche Leute haben trotz ihrer gelben Vögel doch manchmal auch allerlei
Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob der arme Mann nichts
weiß, denn es gibt Krankheiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den
vollen Schüsseln und Gläsern und in den weichen Sesseln und seidenen Betten,
wie jener reiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann.
Den ganzen Vormittag saß er im Lehnsessel und rauchte Tabak, wenn er nicht zu
faul war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch
wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: "Windet's draußen oder
schnauft der Nachbar so?" Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenfalls
bald etwas Kaltes, bald etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter
Langeweile bis an den Abend, so dass man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das
Mittagessen aufhörte und wo das Nachtessen anfing. Nach dem Nachtessen legte er
sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen oder
Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so
unbeholfen war wie ein Sack. Essen und Schlaf wollten ihm nimmer schmecken, und
er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht
krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er 365 Krankheiten, nämlich
alle Tage eine andere.
Alle Ärzte, die in Amsterdam sind, mussten ihm raten. Er verschluckte ganze
Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver und Pillen wie
Enteneier so groß, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige
Apotheke. Aber alles Doktern half ihm nichts, denn er befolgte nicht, was ihm
die Arzte befahlen, sondern sagte: "Wofür bin ich ein reicher Mann, wenn
ich leben soll wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für
mein Geld?"
Endlich hörte er von einem Arzt, der hundert Stunden weit weg wohnte, der
sei so geschickt, dass die Kranken gesund würden, wenn er sie nur redet
anschaue, und der Tod geh' ihm aus dem Wege, wo er sich sehen lasse. Zu dem Arzt
fasste der Mann ein Zutrauen und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte
bald, was ihm fehlte, nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung,
und sagte: "Wart', dich will ich bald kuriert haben." Deswegen schrieb
er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: "Guter Freund, Ihr habt einen
schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr
habt ein böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem
Lindwurm muss ich selber reden, und Ihr müsst zu mir kommen. Aber für's erste,
so dürft Ihr nicht fahren oder auf dem Rößlein reiten, sondern auf des
Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm, und er beißt Euch die
Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr
nicht mehr essen als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüs, mittags ein
Bratwürstlein dazu, und nachts ein Ei, und am Morgen ein Fleischsüpplein mit
Schnittlauch drauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm größer, so
dass er Euch die Leber verdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel
anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt,
so hört Ihr im anderen Frühjahr den Kuckuck nimmer schreien. Tut, was Ihr
wollt!" Als der Patient so mit sich reden hörte, ließ er sich sogleich
den anderen Morgen die Stiefel salben und machte sich auf den Weg, wie ihm der
Doktor befohlen hatte. Den ersten Tag ging es so langsam, dass eine Schnecke
hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht,
und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten
und am dritten Morgen kam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so
lieblich gesungen hätten, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im
Felde so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, sahen so freundlich aus, und
er auch; und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und
er ging leichter und munterer dahin, und als er am achtzehnten Tage in der Stadt
des Arztes ankam und den anderen Morgen aufstand, war es ihm so wohl, dass er
sagte: "Ich hätte zu keiner ungeschickteren Zeit können gesund werden als
jetzt, wo ich zum Doktor soll. Wenn's mir doch nur ein wenig in den Ohren
brauste, oder das Herzwasser lief' mir." Als er zum Doktor kam, nahm ihn
der Doktor bei der Hand und sagte ihm: "jetzt erzählt mir denn noch einmal
von Grund aus, was Euch fehlt." Da sagte er: "Herr Doktor, mir fehlt
gottlob nichts, und wenn Ihr so gesund seid wie ich, so soll's mich
freuen." Der Doktor sagte: "Das hat Euch. ein guter Geist geraten, dass
Ihr meinem Rat gefolgt habt. Der Lindwurm ist jetzt abgestanden. Aber Ihr habt
noch Eier im Leib, deswegen müsst Ihr wieder zu Fuß heimgehen und daheim
fleißig Holz sägen und nicht mehr essen, als Euch der Hunger ermahnt, damit
die Eier nicht ausschlüpfen, so könnt Ihr ein alter Mann werden", und
lächelte dazu.
Aber der reiche Fremdling sagte: "Herr Doktor, Ihr seid ein feiner Kauz,
und ich versteh Euch wohl', und hat nachher dem Rat gefolgt und siebenundachtzig
Jahre, vier Monate, zehn Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat
alle Neujahr dem Arzt zwanzig Dublonen zum Gruß geschickt."
nach oben
|